Studium in Thüringen

Studium in Thüringen

/

Was sollte ich vor einem Studium in Thüringen wissen?

Thüringens Hochschullandschaft ist vielseitig. Neun staatliche Universitäten und Fachhochschulen bieten im Freistaat Studiengänge in allen Fachrichtungen. Hinzu kommt das Angebot von Berufsakademien und staatlichen Hochschulen. Intensive Betreuung, moderne Hörsäle und Labore sowie gut ausgestattete Bibliotheken führen zu kurzen Studienzeiten. Auch die Lebenshaltungskosten an Thüringer Hochschulstandorten sind vielfach deutlich günstiger als anderenorts.

Zugangsvoraussetzung für ein Studium sind je nach Hochschultyp die Hochschulreife oder Fachhochschulreife sowie ausreichende Sprachkenntnisse für den gewählten Studiengang. Bei ausländischen Abschlüssen entscheidet das Akademische Auslandsamt der jeweiligen Hochschule, ob die Voraussetzungen für ein Studium vorliegen. Im Wintersemester 2014/2015 waren in Thüringen rund 50.924 Studierende immatrikuliert.

Welche Hochschulen gibt es?

Thüringen verfügt über fünf Universitäten: Friedrich-Schiller-Universität Jena, Universität Erfurt, Bauhaus-Universität Weimar, Technische Universität Ilmenau, Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar.

Zudem gibt es vier Fachhochschulen: Fachhochschule Erfurt, Ernst-Abbe-Hochschule Jena, Hochschule Schmalkalden, Hochschule Nordhausen. Außerdem gibt es die Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Gotha (verwaltungsinterne Einrichtung des Freistaates Thüringen) sowie eine private Hochschule, die SRH Fachhochschule für Gesundheit Gera.

Was ist ein duales Studium?

Seit 1998 gibt es die Duale Hochschule Eisenach und Gera (früher Staatliche Studienakademie Thüringen). Hier erhalten Studierende in einem dreijährigen dualen Studium eine ähnliche Ausbildung wie an einer Fachhochschule. Die spezifischen Kompetenzen resultieren dabei einerseits aus der Vermittlung von Wissen und methodischen Fähigkeiten auf Fachhochschulniveau und andererseits aus der praxisnahen betrieblichen Qualifizierung gemäß Ausbildungsvertrag. Ein ähnliches Angebot bietet die kostenpflichtige IUBH Duales Studium Erfurt.

Mit der Integration von Praxis- und Theoriephasen innerhalb einer Woche, dem sogenannten Modell der geteilten Woche, bietet die Internationale Berufsakademie (IBA) der F+U Unternehmensgruppe gGmbH in Erfurt eine ebenfalls kostenpflichtige Alternative zu bestehenden Studien- und Ausbildungsmöglichkeiten.

Was kann ich studieren?

Die Thüringer Hochschulen bieten insgesamt 190 grundständige Studiengänge (Abschluss als Bachelor, Staatsexamen oder Magister) und 180 weiterführende Studiengänge (Abschluss als Master u.a.) an. Einen Überblick, welche Hochschule welchen Studiengang anbietet, bietet Campus Thüringen.

Wer noch nicht sicher weiß, welcher Studiengang der richtige ist, kann z.B. bei Studienwahl.de nachlesen, welche Studiengänge im Wunschfachgebiet angeboten werden.

Benötige ich ein Studienvisum?

EU-Bürgerinnen und EU-Bürger benötigen weder für die Einreise, noch für das Studium ein Visum. Es besteht lediglich die Meldepflicht. Ausländische Studentinnen und Studenten aus Drittstaaten unterliegen der Visumspflicht. Sie müssen ein Studienvisum bei der deutschen Auslandsvertretung Ihres Heimatlandes beantragen.

Für die Beantragung benötigen Sie den Zulassungsbescheid der Hochschule, den Nachweis über eine Krankenversicherung sowie einen Finanzierungsnachweis für die Studiendauer. Nach Zustimmung der deutschen Ausländerbehörde wird das Studienvisum erteilt. Wenn Ihnen die Zulassung der deutschen Hochschule noch nicht vorliegt oder Sie sich noch nicht für das Studium festgelegt haben, muss ein „Visum für Studienbewerber“ beantragen. Dieses Visum hat eine zeitlich beschränkte Gültigkeit von drei Monaten. Nach erfolgreicher Hochschulzulassung können Sie dieses Visum in eine Aufenthaltsbewilligung für Studienzwecke umwandeln lassen.

Bitte beachten Sie, dass ein Touristenvisum nicht in ein Studienvisum in Deutschland umgewandelt werden kann. Eine Ausnahme gilt nur für Staatsangehörige der USA und der
Schweiz.

Welche Deutschkenntnisse benötige ich?

Ausländische Studierende benötigen für ein Studium an einer Thüringer Hochschule deutsche Sprachkenntnisse, die in der Regel der Stufe B2 bis C1 des „Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen“ entsprechen müssen. Diese können durch folgende Zertifikate nachgewiesen werden:

  • Deutsche Sprachprüfung für den Hochschulzugang II (DSH II)
  • Test „Deutsch als Fremdsprache“ (TestDaF) TDN4
  • Goethe-Zertifikat C2
  • Deutsches Sprachdiplom (DSD)
  • Zertifikat telc Deutsch C1 Hochschule
  • Deutschprüfung im Rahmen der Feststellungsprüfung an einem Studienkolleg.

Welche Sprachprüfungen in welchen Stufen anerkannt werden, erfahren Sie an der jeweiligen Hochschule.

Die Sprachenzentren der Universität Erfurt, Friedrich-Schiller-Universität Jena, Technischen Universität Ilmenau sowie der Bauhaus-Universität Weimar bieten zur Vorbereitung auf die DSH-II-Prüfung kostenpflichtige ein- bis zweisemestrige Sprachkurse (ca. 750 Euro pro Semester) an. Diese Gebühren müssen Sie im Regelfall selbst zahlen. Der DSH-Sprachkurs wird mit einer Prüfung abgeschlossen, die einen schriftlichen und einem mündlichen Teil beinhaltet.

Einige Universitäten und Hochschulen bieten auch englischsprachige Studiengänge (Bachelor und Master) an, deren Voraussetzungen variieren können. Informieren Sie sich bei Ihrer jeweiligen Bildungseinrichtung, ob Sie Englisch- oder Deutschkenntnisse benötigen.

Was, wenn mein Schulabschluss zum Studium nicht berechtigt?

Studierende, die ihre Hochschulzugangsberechtigung im Ausland erworben haben (Nicht-EU-Bürger), können nur dann zum Studium zugelassen werden, wenn der Schulabschluss

  • zur Studienaufnahme im Heimatland befähigt und
  • dem deutschen Abitur gleichgestellt ist.

Die Online-Datenbank www.anabin.kmk.org bietet Informationen, ob ein ausländischer Bildungsabschluss in Deutschland anerkannt werden kann. Die Entscheidung über die Anerkennung trifft die Hochschule, an der das Studium begonnen werden soll, im Rahmen des Bewerbungsverfahrens.

Ist der ausländische Schulabschluss nicht dem deutschen Abitur gleichgestellt, gibt es zwei Möglichkeiten, ein Studium in Thüringen aufzunehmen:

  • Je nach Herkunftsland und Schulabschluss kann ein ein- bis zweijähriges Studium an einer anerkannten Hochschule im Heimatland entsprechend der beabsichtigten Fachrichtung zu einem Studium in Thüringen berechtigen. Oder:
  • Eine Zugangsberechtigung kann durch einen Besuch des Staatlichen Studienkollegs in Nordhausen und durch Bestehen der Feststellungsprüfung erlangt werden.

Das Staatliche Studienkolleg Nordhausen bereitet ausländische Studienbewerber fachlich und sprachlich auf ein Studium vor. Der Zugang zum Staatlichen Studienkolleg ist nur nach Bestehen eines Aufnahmetests möglich. Die Bewerbung muss bei der Hochschule erfolgen, an der später das Studium aufgenommen werden soll – eine direkte Bewerbung ist nicht möglich. Für den Besuch des Studienkollegs sind Grundkenntnisse der deutschen Sprache Voraussetzung; der Deutschunterricht wird am Studienkolleg fortgesetzt.

Die Vorbereitungskurse am Staatlichen Studienkolleg werden in verschiedenen Fachrichtungen angeboten und dauern in der Regel zwei Semester. Den Abschluss bildet eine Prüfung ihrer Eignung (FSP), die aus schriftlichen und mündlichen Prüfungen besteht. Die bestandene FSP berechtigt zum Studium an einer deutschen Hochschule. Die FSP kann auch ohne den vorherigen Besuch des Staatlichen Studienkollegs, d.h. nach eigenständiger Vorbereitung, abgelegt werden.

Wie bewerbe ich mich für ein Studium?

Wenn die allgemeinen Zugangsvoraussetzungen für ein Studium erfüllt werden, so ist der erste Schritt getan. In einigen Studiengängen kann sich nun jeder frei einschreiben (Studiengänge ohne Zulassungsbeschränkung).

In Studiengängen, die erwarten lassen, dass es mehr Studienbewerber als Studienplätze gibt, werden Zulassungsbeschränkungen festgelegt. Zulassungsbeschränkungen können sowohl bundesweit (Studiengänge mit bundesweiter Zulassungsbeschränkung) als auch nur an einer Hochschule für einen Studiengang gelten (Studiengänge mit örtlicher Zulassungsbeschränkung).

Bei der Auswahl der Studienbewerberinnen und Studienbewerber werden verschiedene Kriterien herangezogen: Oft spielt im Zulassungsverfahren die Durchschnittsnote der Hochschulzugangsberechtigung eine Rolle. Zum Teil werden weitere Kriterien einbezogen, beispielsweise Motivationsschreiben, Berufserfahrungen, Auswahlgespräche oder Eignungsprüfungen.

Die Bewerbung für Studiengänge ohne Zulassungsbeschränkung erfolgt (meist online) direkt bei der Hochschule, teilweise auch über www.uni-assist.de. Achtung! Auch bei der Bewerbung für nicht zulassungsbeschränkte Studiengänge gibt es Fristen. Die Bewerbungstermine für den Beginn im Wintersemester oder im Sommersemester sind bei den Hochschulen zu finden. Für viele Studiengänge ist eine Bewerbung mindestens vier Monate vor dem Beginn notwendig. Es müssen alle erforderlichen Nachweise und Unterlagen fristgerecht eingereicht werden. Eine frühzeitige Nachfrage ist daher unerlässlich!

In bundesweit zulassungsbeschränkten Studiengängen (Medizin, Zahnmedizin, Pharmazie, Tiermedizin) müssen sich Studienbewerber aus EU-Ländern online über http://www.hochschulstart.de um einen Studienplatz bewerben. Studienbewerber aus Nicht-EU-Ländern müssen sich zunächst direkt bei der Hochschule über die Bewerbungsmodalitäten informieren.

Die Bewerbung für örtlich zulassungsbeschränkte Studiengänge erfolgt direkt bei der Hochschule und/oder über www.hochschulstart.de, teilweise auch über www.uni-assist.de.

Nähere Informationen gibt es bei Campus Thüringen.

Nach erfolgreicher Zulassung wird von der Hochschule ein Zulassungsbescheid verschickt. Darin sind Informationen über die nächsten Schritte bis zum Studienbeginn enthalten. Insbesondere muss der Studienplatz angenommen werden. Eine Einschreibung an der Hochschule ist erforderlich (Immatrikulation). Die Informationen im Zulassungsbescheid sind daher besonders zu beachten!

Was passiert mit meiner Aufenthaltserlaubnis nach dem Studium?

Als EU-Bürgerin oder EU-Bürger können Sie nach Ihrem Studium uneingeschränkt eine Tätigkeit in Thüringen aufnehmen. Gleiches gilt für Staatsangehörige aus Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz.

Gehören Sie einem Drittstaat an und sind Absolvent oder Absolventin einer deutschen Hochschule, dann können Sie in Deutschland eine Arbeit annehmen, die Ihrem Studium angemessen ist. Den entsprechenden Aufenthaltstitel erhalten Sie von der Ausländerbehörde Ihres Wohnortes oder Ihres Landkreises.

Haben Sie im Anschluss an Ihr Studium nicht gleich den passenden Job gefunden, dann können Sie bei der Ausländerbehörde Ihres Wohnortes oder Ihres Landkreises eine Aufenthaltserlaubnis für 18 Monate erhalten. In dieser Zeit können Sie in Deutschland nach einem Ihrer Qualifikation entsprechenden Job suchen. In dieser Zeit dürfen Sie jede Tätigkeit aufnehmen, um Ihren Lebensunterhalt zu sichern.

Wobei hilft die Studienberatung?

Die Zentrale Studienberatung bzw. Allgemeine Studienberatung der Hochschulen bietet die Möglichkeit zu Informations- und Beratungsgesprächen, z.B. zu Studienmöglichkeiten, formalen Voraussetzungen für die Einschreibung und das Bewerbungsverfahren. Die Studienfachberatung bzw. Fachstudienberatung informiert über alle Fragen zu einem bestimmten Studiengang, z.B. Studieninhalte, Schwerpunkte und Prüfungsanforderungen.

Das „International Office“ der jeweiligen Hochschule betreut alle internationalen Studierenden und informiert zu allen organisatorischen Fragen des Aufenthaltes in Deutschland. Sie ist an einigen Hochschulen auch für die Studienberatung und die Zulassung internationaler Studierender verantwortlich.

Zahlreiche Studierendeninitiativen an den verschiedenen Hochschulen bieten ebenfalls Hilfe bei Fragen rund um das Studium an. Studierende höherer Semester berichten aus ihren persönlichen Erfahrungen. Sie beantworten Fragen zum Studium, Studienort, Studienalltag und geben hilfreiche Tipps.

Das Studierendenwerk Thüringen bietet Information und Beratung zu allen sozialen und wirtschaftlichen Belangen, z.B. Wohnmöglichkeiten am Studienort, Studienfinanzierung und sonstigen Unterstützungsmöglichkeiten.

Was kostet ein Studium?

Für das Studium selbst werden in Thüringen an staatlichen Hochschulen keine Studiengebühren erhoben. Allerdings sind ein Semesterbeitrag und ein Beitrag für die Studierendenschaft zu entrichten. Beide Beiträge liegen derzeit – entsprechend dem Leistungsangebot an den Hochschulen – zwischen 100 und 200 Euro pro Semester.

Um in Deutschland zu studieren, ist eine Krankenversicherung erforderlich. Der Versicherungsnachweis muss sowohl bei der Immatrikulation als auch bei der Ausländerbehörde vorgelegt werden. Der Studierendentarif von etwa 75 Euro monatlich ist für alle gesetzlichen Krankenkassen gleich. Für private Krankenversicherungen gelten andere Modalitäten.

An den staatlichen Hochschulen enthält der Semesterbeitrag das Semesterticket. Mit diesem kann der regionale Bahnverkehr in ganz Thüringen und teilweise auch der öffentliche Personennahverkehr am Hochschulort und in weiteren Städten genutzt werden. Außerdem enthält er einen Beitrag für das Studierendenwerk (kostenlose Nutzung von Beratungsangeboten, ermäßigte Essenspreise in der Mensa und kostengünstiges Wohnen in Studierendenwohnheimen).

Zur Finanzierung des Lebensunterhaltes während des Studiums können Sie BAföG (d.h. eine Förderung nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz) beantragen. Einen Antrag können Sie beim Studierendenwerk Ihrer Universität oder Hochschule stellen.

Es gibt außerdem verschiedene Stipendien, die durch Organisationen, Hochschulen, Bundesländer oder Städte finanziert werden. Bitte wenden Sie sich an Ihre jeweilige Hochschule, um sich über eine mögliche finanzielle Unterstützung zu informieren oder suchen Sie z.B. in der Datenbank des DAAD nach einem Stipendium.

Wo finde ich weitere Informationen?

Das Factsheet "Gemeinsam studieren in Thüringen" des Thüringer Ministeriums für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft beantwortet weitere Fragen zu Voraussetzungen und Möglichkeiten des Studiums.