Das Asylverfahren

Das Asylverfahren
Wo muss ich mich melden, wenn ich Asyl beantragen möchte?

In Deutschland angekommen, müssen Sie einer staatlichen Stelle (z.B. dem Ausländeramt oder der Polizei) mitteilen, dass Sie einen Asylantrag stellen möchten. Ihnen wird dann eine Landeserstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber genannt. Sie müssen dorthin fahren und dort wohnen. Nach wenigen Wochen oder spätestens nach sechs Monaten (Asylantragsteller aus sicheren Herkunftsstaaten müssen eventuell noch länger in der Landeserstaufnahmeeinrichtung wohnen) werden Sie in einen Thüringer Landkreis oder eine kreisfreie Stadt weiterverteilt.

In der Landeserstaufnahmeeinrichtung wird Ihnen gesagt, wo und wann Sie Ihren Asylantrag stellen können. Bis zu der Asylantragstellung sollten Sie als Ausweisdokument eine Bescheinigung über die Meldung als Asylbewerber (Ankunftsnachweis, BÜMA) erhalten.

Wie stelle ich einen Asylantrag?

Ihren Asylantrag müssen Sie persönlich beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) stellen. In Thüringen gibt es dafür drei Außenstellen in Hermsdorf, Suhl und Mühlhausen. Im Bundesamt finden in der Regel zwei Termine statt, bei denen Sie zu ihren Flucht- bzw. Asylgründen angehört werden (Personen aus bestimmten Ländern können unter Umständen nur schriftlich angehört werden und erhalten deshalb nur einen Termin).

Beim ersten Termin im BAMF füllen Sie gemeinsam mit einem Dolmetscher einen Fragebogen aus, Ihre persönlichen Daten werden aufgenommen, Sie werden fotografiert und Ihre Fingerabdrücke werden abgenommen (Bitte bringen Sie alle vorhandenen Dokumente mit). Im zweiten Termin werden Sie von einem Mitarbeiter des Bundesamts persönlich zu den Gründen befragt, weshalb Sie Ihr Herkunftsland verlassen haben. Ein Dolmetscher übersetzt für Sie. Es ist wichtig, die Gründe für Ihre Flucht ausführlich darzustellen und auch Einzelheiten zu schildern. Wenn Sie Unterlagen haben, mit denen Sie Ihre Asylgründe beweisen können, müssen Sie diese vorlegen. Sollten Sie an einer Krankheit leiden, müssen Sie dem BAMF ärztliche Atteste vorlegen. Sie können sich zu der Anhörung von einem Rechtsanwalt begleiten lassen.

Wenn Sie eine „geringe Bleibeperspektive“ haben und Sie wahrscheinlich keine Aufenthaltserlaubnis erhalten werden, kann Ihr Asylverfahren möglicherweise anders ablaufen. Das gilt z.B. für Menschen aus sogenannten „sicheren Herkunftsländern“ (derzeit sind das Albanien, Bosnien und Herzegowina, Ghana, Kosovo, Mazedonien, Montenegro, Senegal und Serbien; geplant sind auch Algerien, Marokko und Tunesien).

Was passiert nach dem Asylantrag?

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) schickt Ihnen die schriftliche Entscheidung über Ihren Asylantrag zu. Die Entscheidung kann schon nach wenigen Tagen ergehen oder viele Monate und auch Jahre dauern. Deshalb ist es wichtig, dass Sie jeden Tag Ihre Post kontrollieren. So besteht die Möglichkeit, gegen eine ablehnende Entscheidung mit gerichtlicher Hilfe vorzugehen, ohne, dass Ihnen diese Möglichkeit aufgrund einer verpassten Klagefrist verloren geht.

Solange Sie keine Entscheidung des BAMF in Ihrer Asylsache erhalten haben, dürfen Sie in Deutschland bleiben und können nicht abgeschoben werden. Für die Dauer des Asylverfahrens erhalten Sie eine Aufenthaltsgestattung. Durch die Entscheidung des Bundesamtes können Sie als Asylberechtigter anerkannt werden, sogenannten internationalen Schutz erhalten (Flüchtlingsschutz oder subsidiärer Schutz) oder auch nationalen Schutz zuerkannt bekommen (Abschiebungsverbot).

Das BAMF kann aber auch die Entscheidung treffen, dass Deutschland nicht für Ihr Asylverfahren zuständig ist und Sie in ein anderes Land der EU zurückkehren müssen, um dort Ihr Asylverfahren zu führen (Dublin-Verfahren). Das ist in der Regel das Land, in dem Sie zuerst die Europäische Union betreten haben.

Was kann ich gegen eine Ablehnung meines Asylantrages tun?

Lehnt das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) Ihren Asylantrag vollständig oder teilweise ab oder hält es ein anderes Land der EU für zuständig, können Sie gegen die Entscheidung Rechtsmittel bei Gericht einlegen. Sie sollten sich von einer Beratungsstelle oder von einem Rechtsanwalt beraten lassen. Beachten Sie unbedingt, dass Sie bestimmte Fristen einhalten müssen. Diese Fristen sind in der Entscheidung des BAMF auch benannt. Wenn Sie die Fristen verpassen, verlieren Sie endgültig die Möglichkeit, gegen einen abgelehnten Asylantrag etwas zu unternehmen.

In Thüringen können Sie sich zudem an die Thüringer Härtefallkommission (HFK) wenden. Die HFK berät bei dringenden humanitären oder persönlichen Gründen, ob Sie doch eine Aufenthaltserlaubnis erhalten können. Da nur Mitglieder der HFK entsprechende Fälle in das Gremium einbringen können, müssen Sie die Mitglieder selbst ansprechen. Wie Sie diese erreichen können und was Sie sonst noch beachten müssen, können Sie über die Migrationsbeauftragte beim Thüringer Ministerium für Migration, Justiz und Verbraucherschutz erfahren (BIMF(at)tmmjv.thueringen.de).

Wer erhält Schutz in Deutschland?

Sind Sie als Asylberechtigter oder als Flüchtling anerkannt worden, erhalten Sie eine Aufenthaltserlaubnis für die Dauer von zunächst drei Jahren. Wenn Ihnen im Herkunftsstaat ein ernsthafter Schaden droht, z.B. wegen Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Bestrafung, können Sie subsidiären Schutz beantragen. Ein Abschiebungsverbot besteht bei einer erheblichen und konkreten Gefahr für Leib, Leben oder Freiheit im Herkunftsstaat. Haben Sie subsidiären Schutz erhalten oder wird zu Ihren Gunsten ein Abschiebungsverbot ausgesprochen, wird Ihnen eine Aufenthaltserlaubnis für die Dauer von zunächst einem Jahr erteilt.

Ist über Ihr Asylverfahren ablehnend entschieden worden, sind Sie zur Ausreise aus Deutschland verpflichtet. Solange Ihre Ausreise nicht möglich ist, erhalten Sie eine Duldung für einen bestimmten Zeitraum. Sie dürfen zum Beispiel nicht in einen Staat abgeschoben werden, in dem ihr Leben oder ihre Freiheit wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung bedroht sind.